So. Nun ist es erreicht. Ich habe mein Wohlfühlgewicht und halte es schon seit ein paar Wochen. 43 kg sind weg, seitdem ich im März 2011 gestartet bin. Anbei ein Foto vom aktuellen Stand. Es zeigt mich im Hotelzimmer im Düsseldorf, kurz bevor ich die Laudatio auf Ina Müller halten durfte.
Nun ist es Zeit für mich, das neue Leben zu begreifen, das ich jetzt führe. Vielleicht fragen Sie jetzt, ob ich nicht ein wenig übertreibe. Doch es kommt mir wirklich vor wie ein neues Leben, das ich erst seit kurzem führe. Meine Kleiderschrank ist wieder gut gefüllt, aber nun mit Sachen, von denen ich bisher nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Die Menschen, die mir nahe stehen, schütteln immer wieder ungläubig den Kopf. Andere, die mich länger nicht gesehen haben, erkennen mich nicht mehr. Aus meiner eigenen Perspektive bin ich um die 10 Jahre jünger geworden - wobei ich nicht sagen kann, ob ich mich jetzt wie eine 30jährige fühle oder mich vorher wie mit 50 gefühlt habe, obwohl ich 40 war. Ich laufe jetzt regelmäßig, trainiere auf meinen ersten Halbmarathon, werde im Frühjahr endlich wieder mit dem Reiten anfangen und im Sommer die Alpen zu Fuß überqueren. Nach den vielen Jahren auf der Couch hat mich ein unglaublicher Bewegungsdrang erfasst. Es ist, als ob ich meine Fenster weit aufgemacht hätte und endlich wieder Luft hereinkommt.
Ich gebe zu, dass es mich manchmal auch schockiert, wie anders ich behandelt werde, seit dem ich schlank bin. Ich werde anders wahrgenommen, bekomme im Alltag mehr Aufmerksamkeit, Wertschätzung, im Flugzeug freuen sich die Herren und fangen an zu plaudern, wenn ich mich neben sie setze - früher haben manche die Augen verdreht: was, so wenig Platz und jetzt kommt auch noch die? Mir wird nach und nach bewusst, wie sehr in unserer Gesellschaft Übergewicht zum Stigma geworden ist, wie sehr ich ausgegrenzt wurde, vor allem in Alltagssituationen. Ich will darüber nicht jammern, aber ich habe mir vorgenommen, dazu nicht zu schweigen, denn es hat mir bei all den Problemen, die das Gewicht mir gebracht hat, auch noch zusätzlich zugesetzt. Und das finde ich, ehrlich gesagt, eine Schweinerei. Nun könnte man sagen: ist doch jeder selbst schuld, wenn er dick ist. Aber so einfach ist die Sache nicht und ich ärgere mich, wenn Menschen schlau reden, die niemals mehr als ein, zwei Kilo zu viel hatten. Fettleibigkeit ist kein Witz, die Ängste und Kämpfe, die man damit aussteht, kann nur derjenige verstehen, der sie durchlitten hat. Das Schlimmste war, dass ich zum Schluss das Vertrauen in mich selbst und meine Fähigkeit, mein Leben zu verändern, fast verloren hatte.
Meine MINDFUCKS zu beenden und mich auf den Weg zu machen, war jedenfalls die beste Entscheidung des Jahres. Dass ich durchgehalten habe, habe ich auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser meines Blogs, zu verdanken. Nach meinem ersten Beitrag dachte ich mir noch: "Sch...jetzt kannst du nicht mehr zurück. Ob das nicht ein Fehler war?" Und dann kam so viel positive Resonanz und Ermutigung, die mich durch diese Monate getragen hat. OHNE SIE HÄTTE ICH DAS NICHT GESCHAFFT! Als Dankeschön verlose ich nur unter Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, noch drei Exemplare meines neuen Buchs. Schreiben Sie mir und gewinnen Sie mit etwas Glück noch ein Weihnachtsgeschenk für sich oder Ihre Lieben.
Herzlich, Ihre Petra Bock
