In der Sendung "Menschen bei Maischberger" ging es gestern um das Thema Diäten. Mit von der Partie waren auch zwei liebe Kollegen, Sabine Asgodom, mit der mich vpersönlich und auch privat viel verbindet und Dr. Stefan Frädrich, mein sympathischer Kollege in der German Speakers Association, in deren Vorstand ich tätig bin. Nicht nur deshalb, sondern auch, weil mich das Thema selbst beschäftigt, habe ich gestern sehr aufgeregt vor dem Fernseher gesessen.
Insgesamt hat die Sendung aber einige Ratlosigkeit bei mir hinter lassen. Zwischen den anwesenden Ärzten ging zum Teil heiß her: der eine behauptete, Übergewicht sei genetisch bedingt und das in Wirklichkeit krankhafte daran seien die Diäten und der ungesunde Jojo-Effekt. Die beiden anderen empfahlen kontrolliertes Essen, dass die Wertigkeit der Nahrungsmittel in den Blick nimmt oder die Tageszeit in der etwas gegessen werden darf. Die eine Seite behauptete, man brauche Disziplin, um schlank zu werden und zu bleiben, die andere meinte, man habe als dicker Mensch eigentlich gar keine Chance, wirklich dauerhaft schlank zu werden und solle den Kampf gegen sich selbst aufgeben. Obwohl noch nie so viel Geld in die Diät-Industrie gesteckt wurde wie heute, ist das Thema so kontrovers wie nie.
Für mich als Coach bleibt folgende Frage zurück, die nicht nur für das Thema Abnehmen sehr zentral ist: Ist der Mensch tatsächlich seinen Genen und Hormonen ausgeliefert und wird von ihnen in seinem Verhalten gesteuert oder kann ein Mensch sein Verhalten willentlich verändern? Wenn ich der ersten These folgen würde, müsste ich meinen Job als Coach in sehr vielen Fällen an den Nagel hängen. Wenn Verhalten vor allem über Gene und Hormone gesteuert wäre, wären wir biologischen Mechanismen ähnlich wie Tiere ausgeliefert und könnten uns zwar Ziele setzen, würden diese aber niemals langfristig erreichen können. Das wäre eine Bankrotterklärung gegenüber der Möglichkeit, sein eigenes Verhalten zu verändern.
Zu viele Beispiele aus meinem persönlichen Umfeld und aus der Arbeit mit Menschen über nachhaltige Verhaltensänderungen lassen mich daran zweifeln, dass wir unserem Körper ausgeliefert sind. In meiner Familie beispielsweise gibt es von der väterlichen Seite her sehr viele Verwandte, die mit dem Thema Übergewicht zu tun hatten. Sie sind heute seit Jahren (fast) alle schlank. Mein Vater hat mit 40 Jahren sein Gewicht reduziert und ist niemals mehr dick geworden und das, ohne Leistungssport zu betreiben oder sich täglich zu kontrollieren. Er ist bewusst, aber genießt, ohne ständig durch Diät-Portionen oder Mahlzeiten aufzufallen.
Demnächst werde ich mich mit Experten in Leipzig treffen, die seit Jahrzehnten zum Thema forschen. Sie haben übereinstimmend von Patienten berichtet, die über Jahre schlank geblieben sind und ihre Gewohnheiten erfolgreich umgestellt haben - und das, obwohl es in der Forschung unstrittig ist, dass der Körper beim Abnehmen "Ess mehr!" -Signale aussendet. Mit ihnen werde ich diskutieren, wie aus ihrer Sicht und aus der Sicht des professionellen Coachings nachhaltige Verhaltensänderungen möglich sind. Ich habe einige Thesen und viele Erfahrungen mit zahlreichen Klienten aus anderen Gebieten dazu. Für professionelle Coachs ist es aus meiner Sicht unerlässlich, auch eine Expertise im Thema "nachhaltige Verhaltensänderung" zu haben. Vor allem im Life Coaching geht es häufig um Veränderungsthemen auf der Verhaltensebene. Die vielen Erfolge, die wir täglich mit unseren Klienten in diesen Gebieten erleben dürfen, stimmen mich nach wie vor sehr optimistisch.