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Gestern bei Maischberger...

von Dr. Petra Bock 12. Januar 2011 13:05

In der Sendung "Menschen bei Maischberger" ging es gestern um das Thema Diäten. Mit von der Partie waren auch zwei liebe Kollegen, Sabine Asgodom, mit der mich vpersönlich und auch privat viel verbindet und Dr. Stefan Frädrich, mein sympathischer Kollege in der German Speakers Association, in deren Vorstand ich tätig bin. Nicht nur deshalb, sondern auch, weil mich das Thema selbst beschäftigt, habe ich gestern sehr aufgeregt vor dem Fernseher gesessen.

Insgesamt hat die Sendung aber einige Ratlosigkeit bei mir hinter lassen. Zwischen den anwesenden Ärzten ging zum Teil heiß her: der eine behauptete, Übergewicht sei genetisch bedingt und das in Wirklichkeit krankhafte daran seien die Diäten und der ungesunde Jojo-Effekt. Die beiden anderen empfahlen kontrolliertes Essen, dass die Wertigkeit der Nahrungsmittel in den Blick nimmt oder die Tageszeit in der etwas gegessen werden darf. Die eine Seite behauptete, man brauche Disziplin, um schlank zu werden und zu bleiben, die andere meinte, man habe als dicker Mensch eigentlich gar keine Chance, wirklich dauerhaft schlank zu werden und solle den Kampf gegen sich selbst aufgeben. Obwohl noch nie so viel Geld in die Diät-Industrie gesteckt wurde wie heute, ist das Thema so kontrovers wie nie.

Für mich als Coach bleibt folgende Frage zurück, die nicht nur für das Thema Abnehmen sehr zentral ist: Ist der Mensch tatsächlich seinen Genen und Hormonen ausgeliefert und wird von ihnen in seinem Verhalten gesteuert oder kann ein Mensch sein Verhalten willentlich verändern? Wenn ich der ersten These folgen würde, müsste ich meinen Job als Coach in sehr vielen Fällen an den Nagel hängen. Wenn Verhalten vor allem über Gene und Hormone gesteuert wäre, wären wir biologischen Mechanismen ähnlich wie Tiere ausgeliefert und könnten uns zwar Ziele setzen, würden diese aber niemals langfristig erreichen können. Das wäre eine Bankrotterklärung gegenüber der Möglichkeit, sein eigenes Verhalten zu verändern.

Zu viele Beispiele aus meinem persönlichen Umfeld und aus der Arbeit mit Menschen über nachhaltige Verhaltensänderungen lassen mich daran zweifeln, dass wir unserem Körper ausgeliefert sind. In meiner Familie beispielsweise gibt es von der väterlichen Seite her sehr viele Verwandte, die mit dem Thema Übergewicht zu tun hatten. Sie sind heute seit Jahren (fast) alle schlank. Mein Vater hat mit 40 Jahren sein Gewicht reduziert und ist niemals mehr dick geworden und das, ohne Leistungssport zu betreiben oder sich täglich zu kontrollieren. Er ist bewusst, aber genießt, ohne ständig durch Diät-Portionen oder Mahlzeiten aufzufallen.

Demnächst werde ich mich mit Experten in Leipzig treffen, die seit Jahrzehnten zum Thema forschen. Sie haben übereinstimmend von Patienten berichtet, die über Jahre schlank geblieben sind und ihre Gewohnheiten erfolgreich umgestellt haben - und das, obwohl es in der Forschung unstrittig ist, dass der Körper beim Abnehmen "Ess mehr!" -Signale aussendet. Mit ihnen werde ich diskutieren, wie aus ihrer Sicht und aus der Sicht des professionellen Coachings nachhaltige Verhaltensänderungen möglich sind. Ich habe einige Thesen und viele Erfahrungen mit zahlreichen Klienten aus anderen Gebieten dazu. Für professionelle Coachs ist es aus meiner Sicht unerlässlich, auch eine Expertise im Thema "nachhaltige Verhaltensänderung" zu haben. Vor allem im Life Coaching geht es häufig um Veränderungsthemen auf der Verhaltensebene. Die vielen Erfolge, die wir täglich mit unseren Klienten in diesen Gebieten erleben dürfen, stimmen mich nach wie vor sehr optimistisch.

 

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Allgemein

Kommentare

16.01.2011 23:23:39 #


Liebe Frau Dr. Bock,
danke für Ihre Ansichten zur Maischberger-Sendung.
Auch ich saß voller Ratlosigkeit vor dem Fernseher und bin richtig traurig geworden.
Vor allem ärgerte es mich sehr, dass die wunderbare Sabine Asgodom, die ich auf einem Seminar im letzten Jahr kennenlernte(ich schrieb Ihnen schon davon), so wenig geschätzt und sehr wenig angenommen wurde.Ich sollte Sie natürlich herzlich von ihr grüßen.
Aus dieser ganzen Verwirrung zum Thema Diäten und Abnehmen ist auch mein Wunsch entstanden als Coach etwas für Menschen mit diesem Problem zu tun. Und ich bin so bei Ihnen, dass ich auch glaube wir können immer etwas tun, auch bei genetischer Vorbestimmung. Allerdings nicht schon wieder die nächste Diät, sondern eine wirkliche Verhaltensänderung erreichen.
Das heißt auch erst einmal zu sich zu stehen, wie Sabine Asgodom sagt, zu akzeptieren dick zu sein, sich anzunehmen und dann Stück für Stück sich auf den Weg begeben.
Am 3.Februar werde ich ein Gesräch mit Ihrer Frau Pientka in der Akademie haben. Ich freu mich schon drauf.

Ihnen eine gute Woche, viel Spaß beim Genießen und ein gutes Vorankommen mit Ihem Buch.

Herzliche Grüße
Martina Hoffmann  

Martina Hoffmann Deutschland

20.01.2011 13:24:37 #

Beim Thema Ernährung, Diäten und Co. gibt es fast so viele Meinungen wie Experten. Zu welchen Anteilen unsere Gene oder unser Verhalten daran beteiligt sind, darüber gibt es nur Vermutungen. Meiner Meinung liegt ein Teil des Problems darin, dass alle Menschen über einen Kamm geschert werden.
Dabei wissen wir: Wir sind alle verschieden – was dem Schmied bekommt, zerreist den Schneider. Genauso wie es grössere und kleinere Menschen gibt, haben wir von Natur aus eben auch etwas mehr oder weniger Fett unter dem Pelz. Unser Körper hat seinen eigenen Set-Point, sein Gewicht, mit dem er am besten funktioniert. ...wenn wir ihn denn lassen würden und so natürlich essen könnten wie als Kinder. Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind jeweils ein klares Stopp-Signal in meinem Körper spürte, wenn ich genug gegessen hatte. Da konnten noch so leckere Sachen vor mir auf dem Teller liegen, ich brachte keinen weiteren Bissen mehr herunter. Leider verlernte ich bald, auf mein Körpergefühl zu hören. Mein Körper sah nicht so aus wie er sollte, sprich: Er war nicht so dünn wie der anderer Teenager, also konnte mit meinem Körper etwas nicht stimmen. Um das zu korrigieren, tat ich das, was Frauen meiner Meinung nach eben taten: Ich musste mein Essverhalten ändern und fortan bestimmen, was und wie viel ich esse. In den folgenden 20 Jahren machte ich immer wieder mal Diäten, mehr oder weniger erfolgreich. Das heisst, eigentlich mehr Gewicht und weniger Erfolg. Schlimmer als mein leichtes Übergewicht waren die ständigen Vorwürfe, die ich mir selbst machte. Das permanente Gefühl, nicht zu genügen. Nicht dünn genug, fit genug oder gesund genug zu sein.
Doch wer stellt diese Normen überhaupt auf? Wer bestimmt, was schön ist? Wann gilt ein menschlicher Körper als übergewichtig? Ist Übergewicht wirklich so schädlich wie immer behauptet wird? Ich suchte und fand statt dem x-ten Ernährungsbuch endlich Literatur, die das Thema Gewicht von verschiedenen Seiten beleuchtet. (meine „Best of“-Liste: „Hungry“ von Crystal Renn, „Health at every size“ von Dr. Linda Bacon, „Lizenz zum Essen von Dr. Gunter Frank)
Überrascht stellte ich fest, dass Menschen mit leichtem Übergewicht laut verschiedener Studien länger leben und bei vielen Krankheiten bessere Chancen haben als Normal- oder Untergewichtige, doch das will derzeit niemand so recht wahr haben. Mit Diäten und Ernährungskonzepten lässt sich eben ganz schön viel Geld verdienen.
Nach 20 Jahren ist mir Ende 2009 klar geworden, dass mein Körper eigentlich gar nicht so daneben ist wie ich immer dachte. Er bringt mich gut durch mein Leben und ist trotz meiner jahrelangen Bevormundung immer noch ein sensibles Instrument, auf das ich mich verlassen kann. Ich lerne, wieder darauf zu hören, wirklich zu geniessen und all den Informationen über Nährwerte und Kalorien, die mein Verstand mir ungefragt auftischt, weniger Gehör zu schenken. Ich habe beschlossen, meine Stimmung nicht mehr von der Zahl auf meiner Waage abhängig zu machen. Meine innere Stimme macht ebenfalls eine Umschulung. Sie lernt gerade, mir Komplimente zu machen statt mich und andere ständig zu beurteilen.
Ich bin immer noch auf dem Weg, meinen Körper wieder so zu akzeptieren und zu mögen wie er ist. Dass ich mich dabei aufgebe oder als Verliererin im Kampf gegen die Pfunde fühle, ist überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil: Ich bin gesünder als früher, habe mehr Spass an regelmässiger Bewegung und ich erforsche mit Interesse die Signale und die Entwicklung meines Körpers. Dazu gehört auch, dass er sich verändert, dass er älter, faltiger und vielleicht schwerer wird und dass es bessere und schlechtere Tage gibt. Dabei helfen mir folgende Gedanken:
Ich bin richtig, so wie ich bin und ich kann meinem Körper vertrauen.
Wir sind alle verschieden – und das ist gut so.

Ich wünsche mir sehr, dass diese Gedanken sich in Zukunft in vielen Köpfen und Herzen tiefer einnisten als Gewichts- und Ernährungstabellen.
Natürlich ist jeder Mensch frei, mit seinem Körper so umzugehen wie er es für richtig hält. Was für den einen klappt, muss für die andere aber nicht zwangsläufig funktionieren. Als angehender Coach freue ich mich auf meine Aufgabe, Menschen auf ihren Wegen zu begleiten. Im Bewusstsein, dass jeder seine eigene Route finden muss.

Ich bin gespannt, wie Ihr Weg weiter geht und auf welche Erkenntnisse Sie dabei für sich stossen.

Herzlich
Andrea Bachmann

Andrea Bachmann Schweiz

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