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Die Macht der Aufmerksamkeit

von Dr. Petra Bock 20. Januar 2011 17:05

Timothy Gallwey, amerikanischer Sportcoach, hält Aufmerksamkeit für den Schlüssel jeden Lernerfolgs. Dorthin, wo unsere Aufmerksamkeit geht, da hin geht unsere Energie, unsere Offenheit und damit die Fähigkeit zu lernen. Was für den Sport gilt, gilt auch für Gespräche, für berufliche Leistungssituationen oder eben Verhaltensweisen, die man verändern möchte.

Ich mache im Moment sehr gute Erfahrungen damit, meine Aufmerksamkeit beim Essen zu schulen. Es ist im Grunde der Schlüssel meiner derzeitigen Veränderung meines Essverhaltens. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, abzunehmen, ohne irgendeine Ernährungsvorschrift zu beachten. Ich konzentriere mich also nicht auf das Außen, die Kalorienmenge oder die Zusammensetzung der Speisen oder irgendwelche andere verrückte "Regeln", sondern ausschließlich auf mein Genusserlebnis. Das Motto ist also nicht wie in so vielen Diät-Ratgebern: Abnehmen mit Genuss (also kalorienarmes trauriges Zeug, das man sich schön bruzelt), sondern Abnehmen DURCH Genuss.

Als ich mir nämlich die Frage stellte, worum es mir beim Essen eigentlich wirklich gehe (eine gute Frage für jede Lebenslage!), war die Antwort klar: Ich esse, weil ich es liebe, zu genießen. Ich kann aber nur genießen, wenn ich aufmerksam für den Genuss bin. Dass ich das in meinem bisherigen Alltag nicht war, dafür öffnete mir Dr. Carla Thiele, Internistin in Leipzig und an meiner Akademie ausgebildeter Coach, als ich sie vor einigen Wochen zum Essen traf. Wir unterhielten uns blendend und sie fragte mich nach dem Essen, ob ich es denn genossen hätte. Ich war baff. Ich hatte, ehrlich gesagt, gar nicht richtig mitbekommen, was ich gegessen hatte. Auch nicht, wie es genau schmeckte und ob ich nun satt war oder nicht. Ich hatte einfach gegessen und dabei geredet. Da ich mich schon immer für eine Genießerin hielt und schon als Studentin vergleichsweise Vermögen für schöne Abende in guten Restaurants ausgegeben habe, war ich wirklich platt. Denn es dämmerte mir, dass ich meistens gar nicht richtig wahrnahm, was ich esse. Vor allem in Zeiten, in denen in meinem Leben viel los ist - also eigentlich immer - hatte ich bisher zwar mit Hingabe ausgewählt, aber dann nicht mehr richtig hingeschmeckt.

Die Konzentration auf den Genuss erledigt jetzt von selbst und ganz natürlich, was ich oft in Ratgebern gelesen hatte: ich esse langsamer, bewusster, mit deutlich mehr Vergnügen und gleichzeitig, ohne mir das vorzunehmen, weniger. Denn wenn ich mich auf den Genuss konzentriere, merke ich, wie der Genuss nachlässt, wenn die Sättigung eintritt. Ich nehme also auch mein Körperfeedback wahr, das mich nie im Stich lässt. Manchmal denke ich, jetzt schlägts aber dreizehn: so klare, einfache Erlebnisse und ich bin begeistert wie ein Kind. Aber so ist es wirklich. Nach jahrelangem Rumschlagen mit Diät-Problemen etc. bin ich endlich einen richtig großen Schritt weiter. Und mittlerweile tatsächlich 2 kg leichter. Das hat nichts mit Figurwahn zu tun, sondern betrifft den Kern meiner Lebensqualität: Sinnlichen Genuss. Es lohnt sich also definitiv, bei Themen, die man verändern oder lösen möchte, sein Augenmerk auf die unverkrampfte Aufmerksamkeit zu legen. Auch in anderen Lebensbereichen.

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