von Dr. Petra Bock
23. Februar 2011 17:13
Seit gestern bin ich aus dem Skiurlaub zurück. Am Mittwoch letzter Woche war es passiert: Ein herrlicher Tag auf wunderbaren Pisten, Einkehr in eine urige Hütte und dann die Trance, vor der ich bereits gewarnt wurde. Ich bestellte , ohne es zu bemerken (!) Grillwürste mit Pommes! Glücklich stärkte ich mich und merkte erst richtig, was passiert war, als der Teller leer vor mir stand und mein Bauch zwickte. Nichts mit Genusstraining, keine Eieruhr dabei, obwohl ich mich beim Hotel-Buffet bereits sehr gut gehalten hatte. Meine Strategie dort war es, zuerst eine Erkundungsrunde zu machen, mit genau zu überlegen, was ich jetzt essen möchte und erst dann mit dem Teller loszuziehen. Danach bewusstes Genießen. Hm....Hat wunderbar geklappt.
Und nun das. Ein Angriff der Fresshormone, von dem die Anti-Diät-Päpste erzählen? Waren die 3 Kilo Gewichtsverlust in fast drei Monaten doch noch zu schnell? Bin ich doch ein hilfloses Opfer des Übergewichts und werde es nie mehr los? Sehr nachdenklich fuhr ich noch ein paar Abfahrten und überlegte mir auf der Liege im Spa, wie ich dieses Erlebnis deuten könnte. Und konnte einiges über Verhaltensänderungen lernen. Was wirklich neu war, war der Kontext, also das Umfeld, in dem ich mich bewegte. Während ich in den letzten Monaten nur wenig verreist war und alles so organisiert hatte, wie ich es kennen, war der Skiurlaub tatsächlich eine neue Situation. Ich habe erst letztes Jahr nach 17 jähriger Abstinenz wieder angefangen zu fahren und hatte das Erlebnis Skihütte und Grillwürste noch so im Gedächtnis gespeichert, wie ich es als Jugendliche und sehr junge Frau erlebt hatte. Da gab es mittags kein Halten. Ran an die Pommes und wieder ab die Post! Genau so hatte ich das dann am Mittwoch erlebt. Glühende Bäckchen vor Fahrfreude und dann sorgloses Futtern. Hat viel Spaß gemacht, war aber kein echter Genuss nach meinen neuen Standards. Mein Lernerlebnis: Ich werde in Zukunft den Kontext beachten und alle Eventualitäten einer Situation, die außer der Reihe ist, durchspielen.
Aber dann hat mich in der wohligen Dampfsauna am Mittwochabend noch ein tröstender Gedanke begleitet: wie war das mit der Bounce-Back-Strategie im Golf-Sport? Nicht der Sportler ist der beste, der niemals einen Ball verhaut, sondern der, der nach einem schlechten Schlag am schnellsten wieder einen guten macht. In diesem Sinne freue ich mich auf neue Genüsse.