Da bin ich wieder! Fast vier Wochen später und nochmal fünf Kilo leichter werde ich in Interviews immer öfter auf mein Abnehm-Abenteuer angesprochen. Klienten oder Ausbildungsteilnehmer, die mich lange nicht gsehen haben, können es manchmal kaum glauben. Jon Christoph Berndt, ein lieber Kollege aus München, fragte mich kürzlich, als wir uns begrüßten: "Und, kommt Petra auch noch???" 25 Kg sind seit meinem Höchstgewicht weg und mein Leben verändert sich immer mehr.
Was war eigentlich der wichtigste Auslöser für den Schritt in die Lebensveränderung? Ich glaube es war der Moment, als ich anfing, meine Schonhaltungen zu verlassen. Wenn wir Probleme haben, die wir für nicht oder schwer lösbar halten, gewöhnen wir uns Schonhaltungen an. Ob es um schlechte Beziehungen geht, die man trotzdem aushält, suboptimale Jobs, um die man sich herumquält oder andere Themen: Menschen sind Meister darin, sich um das Problem herum zu organisieren. Ich habe das getan, in dem ich meinen Lebensstil komplett auf Übergewicht umgestellt hatte. Ich bewegte mich immer weniger und begann, an Spiegeln oder Schaufenstern vorbeizulaufen, um mein Problem nicht sehen zu müssen. Urlaub verbrachte ich eher wie eine Rentnerin mit Herumsitzen, gucken und Essen. Dinge, die ich gerne einmal ausprobiert hätte, scheiterten am Gewicht. Ich bin früher gerne geritten. Tja, ab einem bestimmten Gewicht, darf man nicht mehr aufs Pferd - zum eigenen Nutzen und aus Tierschutzgründen...Also war es nichts mehr mit Reiten. Skifahren, eine zweite Passion, hatte ich über 20 Jahre komplett aufgegeben. In den letzten Jahren, weil ich fürchtete, zu schwer dafür zu sein.
Vorletzten Winter brach ich dieses Tabu und beschloss, trotzdem Ski zu fahren. Es war der Beginn, meine Schonhaltungen nicht mehr zu akzeptieren und so zu leben, als ob ich schlank wäre. Zu meinem 40. bestieg ich dann die Mutspitze in Südtirol. Besser gesagt: ich wuchtete mich mit letzter Kraft hinauf. Auch da hatte ich die Schonhaltung verlassen. Ich begann wieder zu laufen. Und genau an diesen Punkten merkte ich, wie attraktiv es ist, ohne Schonhaltungen zu leben und dass das Leben mehr Spaß macht, wenn ich z.B. wieder die Sportarten mache, die mir wichtig sind. Und genau da begann ich, die Verantwortung für meine eigene Lebensqualität zu sehen und zu übernehmen. Es war mir einfach wichtig, wieder Spaß an diesen Dingen zu haben. Und dazu bot es sich an, Gewicht abzuwerfen. Hätte mich jemand von Außen dazu "motivieren" wollen, wäre ich nur in den Widerstand gegangen.
Lebensthemen und Lebensziele anzugehen heißt also, eigenmotiviert Verantwortung für die eigene Lebensqualität zu übernehmen. Es ist ein Abenteuer, aus Schonhaltungen heraus zu gehen und sich dem Leben wieder voll und ganz "auszusetzen". Und ja, es macht verdammt viel Spaß.