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Schonhaltungen - und was passiert, wenn man sie verlässt

von Dr. Petra Bock 24. Juni 2011 18:15

Da bin ich wieder! Fast vier Wochen später und nochmal fünf Kilo leichter werde ich in Interviews immer öfter auf mein Abnehm-Abenteuer angesprochen. Klienten oder Ausbildungsteilnehmer, die mich lange nicht gsehen haben, können es manchmal kaum glauben. Jon Christoph Berndt, ein lieber Kollege aus München, fragte mich kürzlich, als wir uns begrüßten: "Und, kommt Petra auch noch???" 25 Kg sind seit meinem Höchstgewicht weg und mein Leben verändert sich immer mehr.

Was war eigentlich der wichtigste Auslöser für den Schritt in die Lebensveränderung? Ich glaube es war der Moment, als ich anfing, meine Schonhaltungen zu verlassen. Wenn wir Probleme haben, die wir für nicht oder schwer lösbar halten, gewöhnen wir uns Schonhaltungen an. Ob es um schlechte Beziehungen geht, die man trotzdem aushält, suboptimale Jobs, um die man sich herumquält oder andere Themen: Menschen sind Meister darin, sich um das Problem herum zu organisieren. Ich habe das getan, in dem ich meinen Lebensstil komplett auf Übergewicht umgestellt hatte. Ich bewegte mich immer weniger und begann, an Spiegeln oder Schaufenstern vorbeizulaufen, um mein Problem nicht sehen zu müssen. Urlaub verbrachte ich eher wie eine Rentnerin mit Herumsitzen, gucken und Essen. Dinge, die ich gerne einmal ausprobiert hätte, scheiterten am Gewicht. Ich bin früher gerne geritten. Tja, ab einem bestimmten Gewicht, darf man nicht mehr aufs Pferd - zum eigenen Nutzen und aus Tierschutzgründen...Also war es nichts mehr mit Reiten. Skifahren, eine zweite Passion, hatte ich über 20 Jahre komplett aufgegeben. In den letzten Jahren, weil ich fürchtete, zu schwer dafür zu sein.

Vorletzten Winter brach ich dieses Tabu und beschloss, trotzdem Ski zu fahren. Es war der Beginn, meine Schonhaltungen nicht mehr zu akzeptieren und so zu leben, als ob ich schlank wäre. Zu meinem 40. bestieg ich dann die Mutspitze in Südtirol. Besser gesagt: ich wuchtete mich mit letzter Kraft hinauf. Auch da hatte ich die Schonhaltung verlassen. Ich begann wieder zu laufen. Und genau an diesen Punkten merkte ich, wie attraktiv es ist, ohne Schonhaltungen zu leben und dass das Leben mehr Spaß macht, wenn ich z.B. wieder die Sportarten mache, die mir wichtig sind. Und genau da begann ich, die Verantwortung für meine eigene Lebensqualität zu sehen und zu übernehmen. Es war mir einfach wichtig, wieder Spaß an diesen Dingen zu haben. Und dazu bot es sich an, Gewicht abzuwerfen. Hätte mich jemand von Außen dazu "motivieren" wollen, wäre ich nur in den Widerstand gegangen.

Lebensthemen und Lebensziele anzugehen heißt also, eigenmotiviert Verantwortung für die eigene Lebensqualität zu übernehmen. Es ist ein Abenteuer, aus Schonhaltungen heraus zu gehen und sich dem Leben wieder voll und ganz "auszusetzen". Und ja, es macht verdammt viel Spaß.

 

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Kommentare

24.06.2011 22:07:21 #

Einfach super!
Ich würde mich riesig freuen, Sie einmal wiederzusehen, ich laufe auch jeden Morgen-und freue mich über die erwachende Natur, die schweizer Kinder, die um 7 Uhr gerade so "Morge" sagen können, und ich freue mich sehr über neue Nachrichten von Petra Bock-
Hoffentlich auf bald in Berlin!

Ihre

Anne Feuerhelm-Heidl

Feuerhelm-Heidl Schweiz

26.06.2011 10:59:28 #

Liebe Frau Dr. Bock,

Ihr ermutigender Gewichtsverlust ist mir ein Beispiel dafür, dass es beim Erreichen von Zielen darum geht, Gewohnheiten zu ändern. Sie zeigen, dass das geht, auch wenn es nicht immer leicht ist. Schonhaltungen aufgeben heisst für mich auch: Und es geht, auch wenn meine Voraussetzungen vielleicht nicht dem Ideal entsprechen. Es gibt immer einen Weg, wenn das Ziel attraktiv ist. Und das es das in Ihrem Fall auf überzeugenden Weise ist, habe ich vor zwei Wochen mit Bewunderung sehen können!
Mit den besten Grüßen,

Sabine Kaiser

Sabine Kaiser Deutschland

01.07.2011 13:26:08 #

Liebe Frau Dr. Bock,

das ist ja lustig. Ich mache seit 6 Wochen auch die Metabolic Balance-Kur (das Wort Diät finde ich einfach zu unpassend, weil es tatsächlich ein völlig ungewohntes Lebensgefühl wiederbringt). Nachdem ich die letzten 4 Jahre konsequent zunahm, ohne das mit sportlichen Aktivitäten oder weniger essen aufhalten konnte, kam plötzlich - wie von ganz alleine - dieses MB-Angebot daher. Wie von Geisterhand passte der Terminplan mit dem Heilpraktiker, die Tatsache, dass meine Familie verreist war und ich konnte beginnen, was so lange ein richtiges Problem war. Dass ich seit dem Start vor 6 Wochen dann so gar keinen Hunger oder Gelüste auf irgend etwas anderes hatte, das nicht auf meinem persönlichen Plan stand, ist da schon fast keine Überraschung mehr.

Es war für mich unvorstellbar, dass ich mein Essverhalten derart drastisch verändere und gleichzeitig Kind und Mann und Gäste bekoche und bebacke.

Es nur "wirklich" zu wollen, ist wohl tatsächlich die Geheimformel des Erfolges und dann ist es auch plötzlich ganz einfach, die Schonhaltung und Komfortzone aufzugeben.

Weiterhin viel Erfolg,
Ihre Christa Weidner

Christa Weidner Deutschland

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